Gedanklich eintauchen in eine andere Ära der Geschichte. Ein Besuch in Matala, dem Hippie-Dorf der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhundert an der Südküste Kretas. Man kann den Zauber den dieser idyllische Ort am libyschem Meer versprüht haben muss, noch nachspüren, atmen, fühlen. Zwar ist der Wandel der Zeit auch hier nicht vorbeigerannt - Souvenierläden, Apartments, Hotels, Parkplätze, Caravaningplätze, ATMs. Und doch, die Stimmung ist hier anders, der Ort wirkt ruhiger, gemächlicher, nachdenklicher. Im Ortszentrum kaum Autos, aber viele viele Katzen und Fußgänger haben Vorrang. Kleine Cafes und Kafenions und (soweit ersichtlich) keine dieser Abzockketten, dafür Schmuckläden und Tantramassagen.
Es ist eine ideale Mittelmeerbucht, die MAtala so besonders macht: an beiden Seiten von hohen Sandsteinfelsen gesäumt, die gleichzeitig zum offenen Meer hin sowohl sanft abfallen als auch sichelförmig aufeinander zu laufen. Davor sanft abfallender Sandstrand, ein paar Schattenwerfende Bäume. Vor den Tavernen sind wackelige Stühle und Tische in den Sand gestellt. Leise Musik im Hintergrund, hier griechischer Rembetika, dort Reaggaetöne. Sanfte Wellen plätschern, ein paar Leute schwimmen, Kinder spielen am Strand.
In die Wände des weichen Kalksandsteins wurden schon in der Jungsteinzeit Wohnhöhlen gegraben, danach wurden sie mal als Grabstätten oder Materiallager der Fischer genutzt. Ab Mitte der 1960er Jahre okkupierten eine Handvoll Hippies diese Wohnhöhlen, die auf der Suche nach einem besseren sonnigen einfachen gewaltfreien bekifften Leben diesen schönen Ort entdeckten. Sie blieben, richteten sich ein und so nahm das Ding seinen Lauf unterm kretischen Himmel. Viele andere Hippies kamen, Musikerinnen und Musiker suchten hier ihre Inspirationen, darunter einige damalige Berühmtheiten wie Cat Stevens oder Joni Mitchel, auch George Harrison soll hier gewesen sein. Die allermeisten Zeitgenossen genossen nur kurz die Zeit - und fuhren wieder. Andere blieben. Auch heute sieht man sie noch, barfußlaufende Rastalocken behängte, wenn auch deutlich älter gewordene, sonnengegerbte Damen und Herren.Die Höhlen selbst sind nicht mehr bewohnt, stehen aber unter Denkmalschutz.
Auf Kreta unterwegs, ein Erlebnis, so unterschiedliche Landschaften, faszinierende Ausblicke, Millionen von Olivenbäumen, Margaritenbüsche ohne Ende, saftige Wiesen, weite Täler, schroffe Berghänge, halb verfallende Dörfer, neue Schnellstraßen, Windräder, Solarparks, lilablühende Judasbäume, alles grün und blüht. Immer wieder Ziegen, die auf Menschen starren,, denn sie suchen ihre Angehörigen und deren Freunde. Es ist orthodoxer Ostersonntag, vor manchenTavernen und in vielen Hausgärten qualmen die Feuer, werden Zicklein und Lämmer am Spies gegrillt. Noch am späten Abend wird getanzt, man hört Musik und Gesang.
Nur den Ziegen ist nicht zum Feiern zumute. Weder in Matala noch sonstwo.




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