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Kirchentag

Orthodoxer Karfreitag auf Kreta - unser persönlicher Kirchentag.

Uns reicht das relaxen auf der Sonnenliege am Pool schon gegen Mittag. Auf in die Berge, Serpentinen fahren, steile Geröllberge bestaunen. Schnell ist Schluss mit viel Vegetation, Steine, Büsche, Gras, Steine Steine Steine. Und Ziegen, die hin und wieder auf Menschen starren. Einladende Tavernen am Rande der Straße.

Dann Station im Kloster Panagria Kera Kardiotissa, auf halbem Weg zum Lassithi-Plateau. Kapelle aus dem 14. Jahrhundert mit Fresken und Ikonen und Kerzen und allem pipapo. Vor allem: Stille. Blumen, Bäume und Stille. Leise Gespräche der Gäste. Beeindruckende Ausblicke in die Ebene und auf Berge. Wir sind früh im Jahr, in ein paar Wochen soll der Garten ein Blumenparadies sein. Jetzt blühen nur die geschützt stehenden Strelitzien in den großen Tontöpfen.

Ebenfalls Eindruck hinterlassend: die Nonne, die schnellen Schrittes den Hof durchschreitet. Komplett schwarz gekleidet:, das schwarze Tuch der Kopfbedeckung fest über die Ohren und bis über die Augenbrauen gezogen, schwarzer Umhang, dicke schwarze Wollstrümpfe die in Sandalen stecken. Nur noch der Gesichtsschleier fehlt zur Burka. Kurze Zeit später sitzt sie dann in ihrer mittelalterlichen Kluft zwischen nachgemalten Ikonen (aus China??), Heiligenbildchen, Kerzen und anderen Devotionalien unter Gebeten aus Lautsprechern vor einer Computerkasse, verkauft überteuerte Souvenirs und Olivenöl, telefoniert hektisch und herrisch mittels ihres  Smartphones. Zusammenprall der Zeiten, Mittelalter und Moderne. Aber: Glaube und Geschäft waren immer schon zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Kurze Zeit später stehen wir am Ambelos Pass auf 900 Meter Höhe, lassen uns kalten Wind um die Ohren wehen und bestaunen die Reste von 24 Windmühlen, die schon seit Jahrhunderten die erneuerbaren Energien nutzten.

 

Am Abend: Der Pope, oder wer auch immer da singt und preist und betet, ist schon von Weitem zu hören, Lautsprecher übertragen das Geschehen der Lithurgie in der örtlichen Kirche auf den Kirchplatz und die Straße davor. Was die örtlichen jungen Männer nicht davon abhält, ihren Aggressionstrieb mittels Böllern und Raketen auszuleben (eigentlich für die Feier zu Mitternacht in der Osternacht gedacht, aber man kennt das ja auch aus anderen Städten…). Wir ignorieren die Testosteronlümmel, und warten auf dem Kirchplatz zusammen mit immer mehr herbeiströmenden griechischen Familien. Und wir warten und warten und warten, fast eineinhalb Stunden Leiergesang aus den Lautsprechern. Ermüdend. Und dann ist alle ganz schnell vorbei. Vier junge Männer tragen gemeinsam ein geschmiedetes Eisen über den Schultern, auf das sie mit Hämmern einschlagen, voran und machen ein Höllengebimmel, es folgt ein mit Blumen geschmückter Baldachin und ein geschmücktes Kreuz. Einmal wird die Kirche umrundet. Das war’s, nach fünf Minuten zieht der Tross weiter, zu einer anderen Kirche oder wohin auch immer. Zum Glück hat der Pub noch offen.

Übertroffen wird das Erlebnis allerdings am nächsten Abend. Klar, die Osternacht mussten wir auch mitmachen. Das Kirchenerlebnis aus den Lautsprechern ist das (unverständliche, da griechische) Gleiche. Die Böllerei ist auch die gleiche. Der Platz füllt sich wieder, nach und nach mit hunderten, festlich Gekleideten, mit Familien mit Kindern, es ist Volksfeststimmung. Fast jeder trägt eine Kerze in der Hand, die um Mitternacht angezündet wird. Und während die Kerzen entzündet werden, entzünden einige Männer ein Osterfeuer, mitten auf der Hauptverkehrsstraße, zwischen rasenden Motorrollern, aufgemotzten Mopeds mit aufgebohrten Schalldämpfern die einen Höllenlärm veranstalten, vollbesetzten Kneipen, geschlossenen Geschäften, abgestellten PKWs und Motorrädern. Unter eine Straßenlaterne! Die Flammen lodern, der an einem Galgen aufgeknüpfte Judas brennt, die Menge johlt. 

Crazy. Abgefahren. Aber: wenn’s hilft. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Marion Relka (Dienstag, 14 April 2026 10:37)

    Hallo Gert, ich liebe deine Storys und freue mich schon auf die nächste. Genießt Eure Zeit, liebste Grüße