Alles ruckelt sich zurecht. Irgendwann.
Muss ja.
Die Sonne scheint, wir transpirieren entspannt auf dem Balkon unseres Hotels. Fast schon vergessen scheinen die Augenblicke zum Beginn unserer Frühjahrszwischenauszeit.
„Liebe Passagiere, liebe Kinder, wie Sie sicherlich bemerkt haben, ist es heute ein wenig unruhig in der Luft - und wir sind nun doch nicht gelandet. Unsere Piloten haben sich kurzfristig entschieden, noch einmal durchzustarten, da ihnen die Turbulenzen etwas zu heftig waren. Aber keine Sorge, wir drehen eine Runde über der Insel und versuchen dann erneut.“
Kreta liegt rechts unter uns, über dem östlichen Mittelmeer tobt ein Tiefdruckgebiet und schüttelt die Flugmaschine ordentlich durch. Das ein oder andere Näschen ist etwas blass geworden, Augen sind weit geöffnet, Unruhe, Getuschel, erste Tüten werden gezückt. Der zweite Anlauf gelingt dann aber doch, ruckeliger Aufsetzer, erleichterter Beifall.
Drei Wochen werden wir uns gönnen. Weg vom nicht enden wollenden kalten windigen Berliner Herbst-Winter-Schmuddel, weg vom Berliner Müll, weg von den dauerprasselnden Schwachsinnsnachrichten. Nach vielen Jahren mal wieder in Griechenland eintauchen. Meer, Strand, Berge, Oliven, „Ne, ne!“, „Oichi!“, „Evaristo! - Parakalo!“, „Kalimera, Kalinichta!“. Doch erstmal: griechisches Laissez faire. Das Hotel, immerhin ein Vier-Sterne-Laden öffnet gerade heute, wir sind die ersten Gäste, die mitten in der Wisch-Saubermach-Schraub-Hämmer-Aktion der Inhaber und Angestellten aufs herzlichste begrüßt werden. Küche und Bar harren noch auf ihren baldigen Einsatz. Zu Fuß durch Regen und Wind in den nächsten Ort. Na gut, ein Pub. Es gibt erheblich bessere Restaurants, wie wir in den nächsten Tagen erfahren werden. Auch das ruckelt sich.
Probleme mit undichtem Abfluss im Zimmer? TV-Gerät mit Mucken? Umzug in ein anderes Zimmer ohne großes Theater. Auch das ruckelt sich.
Der Sturm verzieht sich Richtung Türkei. Erkundungen der näheren Umgebung: hier wird in der Hochsaison „der Bär steppen“: Bars, Kneipen ohne Ende, Restaurant an Restaurant, Vergnügungslokale. Jetzt, Anfang April; sieht’s aus wie ein verlassenes Städtchen in einem Western-Movie oder aus einem dieser dystopischen Science-Fiction Filme. Jedoch: Vereinzelt menschliche Wesen, die mit dem Wasserschlauch in der Hand die Folgen des Saharastaubüberfalls der vergangenen Woche abzuwischen versuchen. Auch hier ruckelt es sich zurecht. So nach und nach.
Erster Ausflug in die zauberhafte Hafenstadt Agios Nikolaos. Unser (kleines) Hotel ist jetzt vollbelegt, der Pool ist fertig, die Küche funktioniert. Die Sonne scheint, das Gras wächst, die Vögel zwitschern, Transporter und Motorroller holpern über griechische Straßen. Es ruckelt sich alles zurecht.
Wie gern würde man das auch über die Nachrichtenlage sagen können. Doch da sieht es, leider, nach dem Gegenteil aus. Es wird offensichtlich immer bekloppter. Und die Hoffnung, das dies nur die eingeschränkte Sicht eines alten weißen Mannes sei, die dürfte - noch mal leider - trügerisch sein.












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Arndt Wiesian (Dienstag, 07 April 2026 14:34)
Nachdem sich bei euch auf der Insel so langsam alles zurecht geruckelt hat��wünsch ich euch noch einen schönen ruckelfreien aufenthalt und die Erkenntnis das wir manchmal nur ratlos zuschauen können was um uns herum so passiert.
Bleiben wir hoffnungsvoll und genießen das leben, ohne die Wachsamkeit zu verlieren was um uns herum so passiert.
In diesem Sinne noch einen schönen Aufenthalt und viel griechische��✌️.
Sonnige Grüße aus OB
Arndt