Nachmittagssonne. Bunte Blätter. Herbst.
Ein Mann, schwarzer Mantel, schwarze Hose, steht am Ufer der Spree. Er lehnt sich an einen Baum. Eine Aktentasche steht daneben.
Winterzeit ist Aufräumzeit. Fotos auf dem Laptop. Durchsehen, ordnen, löschen. Oder wundern. Über die Motive. Vermutungen anstellen.
Wer ist der Mann? Genießt er die letzten warmen Strahlen des Tages?
Vielleicht kommt er gerade aus dem Büro, wartet eigentlich auf den Bus, der gleich an der nahegelegenen Haltestelle einfahren muss und er träumt er einen Tagtraum vom anderen, besseren Leben - sinniert über die Pracht des gegenüberliegenden Charlottenburger Schlosses.
Er steht hier unweit des Berliner Landgerichts. Vielleicht ist er Anwalt, und er hat just heute einer unschuldig Angeklagten zu ihrem Recht verholfen? Deshalb steht er hier und atmet durch, freut sich über die gute Tat des Tages?
Vielleicht ist er aber auch Richter und denkt an den laufenden Prozess. Er atmet durch, bevor sich die Kontrahenten im Sitzungssaal wieder an die Gurgel gehen werden.
Oder ist er einer der Delinquenten, zum Beispiel angeklagt wegen Betrug, und er versucht sich über seinen Stand klar zu werden, wie er aus der Sache ungeschoren rauskommen kann?
Vielleicht hat er seinen Prozess auch schon überstanden, freut sich hier in der Nachmittagssonne über die milde Strafe und macht Pläne für die nahe Zukunft.
Oder ist das ganz falsch - der gut gekleidete Mitvierziger wartet auf seine Geliebte, schaut verliebt gedankenverloren in die wunderbar herbstlichbunte Blätterpracht und freut sich auf den anstehenden Spaziergang und einen gemeinsamen Abend.
Oder ist das noch falscher als falsch?
Ist das nicht Francesco Corleone, der auf den entscheidenden Moment, auf die Ausführung seines Auftrags wartet, um dann spurlos wieder verschwinden zu können?
Es könnte natürlich auch ganz anders sein.
Es ist nur ein Mann der sich am Ufer der Spree sonnt, entspannt.
Mehr nicht.
Oder wissen Sie mehr? Ich bin auf Geschichten gespannt.

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